Biographisches

Geboren 1963 in West-Berlin

Mein Name ist Matthias Katsch und vor 58 Jahren wurde ich in Berlin geboren. Dort bin ich in Neukölln, einem klassischen Arbeiterbezirk, aufgewachsen. Mein Vater arbeitete als Techniker bei Siemens und meine Mutter war Verkäuferin. Ich war das erste Kind in meiner Familie, das auf ein Gymnasium gehen durfte und später studierte.

Als Kind erlebte ich den Aufbruch der Nach-68er mit. Zugleich wurde mein Leben in dieser Zeit einschneidend verändert. Ich ging auf das Berliner Canisius Kolleg und wurde wie viele andere Kinder Opfer von sexuellen Übergriffen. Erst viele Jahre später ging ich mit meinem persönlichen Schicksal an die Öffentlichkeit, weil sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche immer auch ein gesellschaftlicher Skandal ist. Sprechen hilft!

Studium und Beruf

1983 begann ich mein Studium der Philosophie, Politikwissenschaft und kath. Theologie in Berlin und München (M.A.). Während des Studiums jobbte ich als Zusteller bei der Post sowie im Fernamt der Telekom. Als Übersetzer und Dolmetscher für Spanisch sammelte ich erste Erfahrungen als Dozent in der Erwachsenenbildung.

1992 trat ich während des großen Streiks im öffentlichen Dienst der Postgewerkschaft bei (heute ver:di). Kurze Zeit später fand ich auch zur SPD. Denn nur zusammen sind wir stark.

1994 fand ich eine berufliche Heimat bei der Deutschen Telekom Gruppe. Dort war ich im Lauf der Jahre in verschiedenen Funktionen tätig. Erst war ich Stabsmitarbeiter, Projektleiter, Auditor für Qualitätsmanagement und zuletzt Pressesprecher. 2001 begann ich dann ein englischsprachiges Aufbaustudium zum Executive Master of Business Administration der Universität St. Gallen (EMBA) mit dem Schwerpunkt auf Neue Medien und Kommunikation. Geleitet wurde der Kurs von dem ehemaligen SPD-Generalsekretär Peter Glotz. 2003 habe ich mich schließlich selbstständig gemacht und bin Managementtrainer bei betrieblichen Veränderungsprozessen sowie Berater bei Aus- und Weiterbildungen von Führungskräften.

Offenburg als Lebensmittelpunkt

In Berlin bin ich geboren, allerdings ist Offenburg mein Lebensmittelpunkt. Das habe ich meinem Mann zu verdanken, der uns aus beruflichen Gründen in die Ortenau gebracht hat. Seit nun mehr als 13 Jahren lebe und genieße ich die Ortenau, die gute Küche und die schöne Landschaft, Spaziergänge am Rhein oder auf den Höhen des Schwarzwaldes, die Nähe zu Frankreich und der Schweiz.

2010 – erster Schritt im Kampf gegen den Missbrauch

Das Jahr 2010 war ein sehr prägendes Jahr für mich. Denn lange habe ich mein eigenes persönliches Schicksal mit mir selbst ausgemacht, ohne darüber zu sprechen. Doch was mir widerfahren ist, war kein Einzelschicksal, sondern viele Kinder litten und leiden noch heute unter sexuellem Missbrauch. Daher bin ich mit einigen anderen Opfern bewusst mit dem Ziel, an die Öffentlichkeit gegangen, die Aufklärung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche voranzubringen. Gleichzeitig wollten wir auch ein Signal für alle Betroffenen senden.

So war ich Mitinitiator des Vereins „Eckiger Tisch e.V.“ und engagiere mich mittlerweile als Sprecher und Geschäftsführer für die Aufklärung sowie eine verbesserte Hilfe für Opfer. Seit 2019 bin ich zudem Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.

Mein Engagement und meine Stationen in der Übersicht:

  • 2010: Mit-Gründer und Sprecher „Eckiger Tisch e.V.“
  • 2015: Gründungsmitglied des Betroffenenrats beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung
  • 2018: Mitinitiator und Direktor der internationalen Vereinigung ECA – Ending Clergy Abuse
  • 2019: Ehrung des Kulturpreises der Internationalen Paulusgesellschaft
  • 2019: Mitglied der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs.
In der Rolle als Sprecher des "Eckigen Tisches e.V." im Interview mit Phoenix in Offenburg
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